Stellungnahme zu dem Beschluss über die Aufnahme von Fusionsverhandlungen mit dem Marienkrankenhaus

08.07.2019 11:18 von Walter Raubaum

Wenn man in Verhandlungen tritt, ist es normal und selbstverständlich, sich selbst als möglichst positiv und handlungsfähig darzustellen. Deshalb ist es für uns völlig unverständlich, dass in der letzten Ratssitzung, als es um die Aufnahme der Fusionsverhandlungen mit dem Hellweg-Verbund ging, von den Fraktionen der CDU, der BG und der FDP im Gegensatz dazu der einzige negative Punkt, der gegen das Klinikum vorgebracht werden kann, nämlich die Probleme bei der Liquidität, wiederholt und mit großem Nachdruck vorgebracht wurden. 

Dabei wird ausgeblendet, dass das Vermögen des Klinikums in den letzten Jahren stetig angewachsen ist - auch im vergangenen Jahr, als die im Wirtschaftsplan vorgegebenen Zahlen nicht erreicht wurden.
Die Erklärung ist relativ einfach: Das Vermögen wird zu einem bestimmten Zeitpunkt bewertet und in den folgenden Jahren durch Abschreibungen abgewertet. Demgegenüber werden die Schulden abgezogen. Da nun die Schuldentilgungen beim Klinikum in den vergangenen Jahren höher waren als die Abschreibungen, hat sich das Vermögen vergrößert.
Wenn also die angespannte Lage bei der Liquidität als negativ herausgestellt wird, so gibt es auf der anderen Seite viele positive Punkte, die beim Klinikum genannt werden können, die aber in der bisherigen öffentlichen Darstellung kaum eine Rolle gespielt haben und die uns uns dazu bewegen, auf unser Klinikum stolz zu sein.
An erster Stelle soll hier das Personals genannt werden, das hervorragende Arbeit leistet und mit großer Hingabe und Engagement seinen Beitrag leistet zur Versorgung der Soester Bevölkerung. Nicht selten bis an die Grenze der Belastbarkeit. Dafür gebührt ihnen unsere Dankbarkeit und nicht die Ausführungen des Herrn Milke, der einen „Überhang“ beim Personal auszumachen glaubt.

Bei einem Vergleich zwischen unserem Klinikum und dem Marienkrankenhaus kann festgestellt werden, dass

  • Im Marienkrankenhaus die Fachbereiche Thoraxchirurgie und die Pneumologie sind, die von unserem Klinikum nicht in gleicher Weise  abgedeckt werden,

Aber

  • die Notaufnahme ist in unserem Klinikum rund um die Uhr mit empfangendem Pflegepersonal besetzt. im Marienkrankenhaus müssen die Rettungssanitäter erst das Personal herbeiklingeln.
  • Unser Klinikum erfüllt die Vorgaben eines Traumazentrums
  • Unser Klinikum verfügt über Geburtshilfe, Gynäkologie und Brustzentrum sowie eine Abteilung für Pädiatrie.
  • In letzter Zeit wurden in unserem Klinikum ausgebildete Fachärzte durch das Angebot als Funktionsoberarzt mit besserem Verdienst als ein Assistenzarzt in das Marienkrankenhaus abgeworben. Dort findet eine so breite Ausbildung hierfür nicht statt.
  • Oberärzte aus der plastischen Chirurgie sind in das Marienkrankenhaus abgeworben worden und betreiben dort die planbaren Eingriffe.Die Notfälle werden in unser Haus geschickt (aktuell durch das Fehlen von Herrn Meyer-Markotty etwas weniger)
  • die geriatrische Komplexbehandlung und Alterstraumatologie ist für die Niedergelassenen ein gern genutztes Angebot, welches so im Marienkrankenhaus nicht existiert
  • durch die eigenständige nur für unser Haus arbeitende Radiologie ist hier die Qualität der Bildgebung und der kollegiale Austausch über diese Dinge besser.
  • im Marienkrankenhaus erfolgt hier die Versorgung als Praxisleistung – d.h. Sie wurde outgesourced.
  • Das Cyberknife ist ebenfalls ein Angebot nur in unserem Haus
  • erwähnt werden soll auch das Soest Vital mit der Trainingsfläche u.a. für die Mitarbeiter

Beide Häuser haben Gastroenterologie, Cardiologie, Visceralchirurgie und Unfall- und orthopädische Chirurgie -
Die Anzahl der Notfalleingriffe ist allerdings laut Angabe der dorthin abgewanderten Anästhesiekollegen besonders in der Nacht lange nicht so hoch..?

Wie man sieht, haben wir allen Grund, erhobenen Hauptes in die Fusionsverhandlungen zu gehen.

 

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