Diskussion um das Klinikum Stadt Soest - Die Position der so!-Partei

02.07.2018 14:22 von Walter Raubaum

Diskussion um das Klinikum Stadt Soest gGmbH Position der so! - Fraktion

Die Diskussion um das Soester Klinikum ist die zurzeit kontroverseste politische Debatte in Soest. Da wir der Überzeugung sind, dass es sich hierbei um ein recht komplexes Thema handelt, möchten wir hiermit die Position der so!-Fraktion verdeutlichen.

Grundsätzliches
 Die so!-Fraktion begrüßt, dass wir in Soest zwei gute und leistungsstarke Krankenhäuser für die medizinische Versorgung unserer Bürger und der Patienten aus dem Umland  haben. Beide Häuser haben sich trotz bestehender Konkurrenzsituation in den letzten Jahren gut entwickelt. Konkurrenz belebt bekanntlich durchaus das Geschäft.

Aufgrund einer ähnlichen medizinischen Ausrichtung der beiden Soester Häuser bestehen Doppelstrukturen, die eine  Zusammenarbeit/Fusion dieser beiden Häuser sinnvoll machen.
Ebenso wird, durch politische Vorgaben des Bundes (z.B. Mindestmengen bei einigen OPs), die wirtschaftliche Existenz der Krankenhäuser, die diese Mindestmengen nicht erreichen, geschwächt. Größere Behandlungszentren werden gestärkt, die med. Versorgung in Regionen mit kleineren Krankenhäusern wird gefährdet.
Auch solche politischen Vorgaben führen dazu, dass eine Fusion von Krankenhäusern  sinnvoll werden kann. Dass es in Soest aber eben nicht nur um eine Fusion der beiden Soester Krankenhäuser geht, zeigen wir in diesem Text noch auf.

Die Situation des Klinikums

Aufgrund von Aussagen und Berichten ist in der Öffentlichkeit der Eindruck entstanden, dass das Soester Klinikum existentielle wirtschaftliche Probleme habe und daher auf eine Fusion angewiesen sei.  Wir sehen die Lage und die zukünftige Perspektive des Klinikums völlig anders.

Durchaus im Gegensatz zu vielen anderen Krankenhäusern in kommunaler Trägerschaft, hat das Soester Klinikum in den zurückliegenden 10 Jahren neun Jahre lang erhebliche Gewinne in 6-stelliger Höhe erwirtschaftet. Auch für 2017 wird wieder ein Plus von rund einer halben Million erwartet.
Das städt. Klinikum hat in den letzten Jahren eine enorme Entwicklung zu verzeichnen und sich für zukünftige Aufgaben gestärkt. Die Anzahl der Mitarbeiter hat sich auf inzwischen rund 1.000 Beschäftigte gesteigert, die Anzahl der Abteilungen wurde von 7 auf 14 verdoppelt.
Die Zahl der im Klinikum betreuten Patienten ist kontinuierlich auf inzwischen rund 18.000 jährlich angewachsen. Im Vergleich dazu verfügt des Marienkrankenhaus über etwa
400 Beschäftigte weniger und versorgt pro Jahr rund 12.000  Patienten.
Weiterhin verfügt das Klinikum z.B. mit einer eigenen geriatrischen Abteilung bei der bestehenden demographischen Entwicklung und den erwartbaren zukünftigen Krankheitsbildern über eine gute Ausgangslage für die kommende Entwicklung
Völlig entgegen dem politisch gewollten Trend, Krankenhäuser eher zu schließen und Betten abzubauen, erhielt das Soester Klinikum jetzt aktuell die Zusage vom Land für 42  neue Betten im Bereich Neurologie. Die CDU/FDP Landesregierung tätigt diese Zusage sicherlich nicht, weil sie das Klinikum wirtschaftlich schwach aufgestellt und ohne Zukunftsperspektive sieht.  

Sicher ist nicht alles nur rosig. Die enorme Wachstumsentwicklung des Klinikums wurde unseres Erachtens nicht mit dem notwendigen Struktur- und Verwaltungsausbau begleitet. Dies hat sicherlich auch zu Problemen im Klinikum geführt.
Die Klinikmitarbeiter haben jetzt gemeinsam mit externen Beratern viele Handlungsschritte und Maßnahmen erarbeitet, die in den kommenden Monaten und Jahren umgesetzt werden sollen, um auch hier das Soester Klinikum zukunftsfest auszurichten. Diese Maßnahmen und Zielsetzungen wurden inzwischen von externen Gutachtern als sinnvoll und zielführend bewertet und eine schnelle Umsetzung empfohlen.
Unterschiedlich bewertet wird in der politischen Debatte, in welcher Ertragshöhe und in welchem Zeitrahmen die Maßnahmen sich positiv auswirken.

Fusion  /  Beitritt zum katholischen Hospitalverbund

Wichtig ist der so!-Fraktion, dass es bei den bisherigen Überlegungen für Soest  nicht um eine Fusion "nur" der beiden Soester Krankenhäuser gehen wird, sondern um einen Beitritt des Soester Klinikums zum Katholischen Hospitalverbund Hellweg  mit Krankenhäusern und Einrichtungen auch in Werl, Unna, Balve, und Möhnesee.
Da das Marienkrankenhaus zu diesem Verbund gehört, kann das Krankenhaus selber nicht mehr alleine entscheiden, wie eine Kooperation mit dem städt. Klinikum gestaltet werden sollte. Diese Entscheidungen trifft der Verbund, natürlich unter Berücksichtigung der Interessen der vielen anderen auch außerhalb von Soest gelegenen Einrichtungen.

Welchen Sinn es für die Stadt Soest aber machen soll, einem Verbund als kleiner Partner beizutreten, der sich auch um andere Kliniken in Unna und Werl, Pflegeeinrichtungen in Unna und Möhnesee und ein Versorgungszentrum in Balve kümmert und dafür die entscheidende Mitsprache am Klinikum im eigenen Stadtgebiet aufzugeben, erscheint uns sehr fraglich.

Für ein kommunales Krankenhaus ist der Wechsel zu einem überregional ausgerichteten katholischen Träger ein enormer Paradigmenwechsel.
Entscheidungen, die den Gesundheitsstandort Soest betreffen, würden mehrheitlich auch von Einrichtungen außerhalb von Soest gefasst; das bischöfliche Paderborn hat bei entscheidenden Fragen - auch personeller Art - maßgebliche Kompetenzen. Dies ist für katholische Einrichtungen mit über 100 jähriger entsprechender Prägung sicher sinnvoll.
Wir finden es jedoch wichtig, dass es in Soest ein Krankenhaus gibt, in dem fachliche und personelle Entscheidungen ausschließlich unter medizinischen und wirtschaftlichen Aspekten und nicht auch unter Einbeziehung einer katholischen Werte- und Moralvorstellung getroffen werden.
Neben allen wirtschaftlichen Aspekten sollte eine gute medizinische Grund- und Regelversorgung der Soester Bevölkerung der wesentliche Gesichtspunkt für die anstehenden politischen Entscheidungen sein.

Wir sind gegen einen Beitritt zum Trägerverbund,

–    weil wir der Überzeugung sind, dass Entscheidungen, für die Gesundheitsversorgung der Soester Bevölkerung in Soest getroffen werden sollten,
–    weil die bestehende Vielfalt der Träger erhalten bleiben soll
–    weil wir dem Klinikum und seinen Mitarbeitern weiterhin eine Bewältigung der notwendigen Aufgaben zutrauen.

Willy Fischer             Michael König                                  Walter Raubaum
Vorsitzender so!-Partei     Aufsichtsratsmitglied Klinikum     Sprecher so!-Fraktion


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